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Foto-Tipps für Wasserfall-Fans:

 

Einfluss der Belichtungszeit auf die Abbildung des Wasserfalls und seines Spiegelbilds im großen Strudelbecken des Krai-Woog-Gumpen. Bei 1 sec. sind im fallenden Wasser und im Gumpen detaillierte Strukturen erkennbar, aus denen sich z.B. die Flussrichtung des Wassers im Strudelbecken erkennen lässt (linkes Bild). Viele Fotografen ziehen jedoch "sehr lange" Belichtungszeiten vor. Bestimmte Motive wirken dadurch erheblich ruhiger und ausgewogener (im rechten Bild z.B. 8 sec. Belichtungszeit).

 

 

Ich selbst versuche, auch bei Langzeitbelichtung noch „Bewegungsstrukturen“ im Wasser zu erhalten – denn ein Wasserfall ist in der Regel ein hochdynamisches Gebilde! 

 

Der Große Wasserfall in der Ravennaschlucht mit starkem Polarisations-effekt (links) und ohne diesen (rechts).

Bei einer vollständigen Auslöschung der Reflexe vom nassen Fels wirkt die Szene in meinen Augen ziemlich „tot“.

Verzichtet man aber auf den Filter und nimmt alle Reflexe mit, kann das Bild insgesamt recht unruhig werden. Vielleicht probieren Sie eine leichte Auslöschung durch Polfilter oder auch einmal einen variablen Graufilter!

 

Diesen Fehler sieht man gerade bei Bildern im Internet leider viel zu oft:

Durch blaues Wasser verunstaltete Aufnahme (links).

Ich  versuche eher, die Farbtemperatur so einzustellen, dass das Wasser „weiß“ erscheint (rechts).

 

Dabei kann man diese unnatürlichen Farbstiche ganz einfach vermeiden: Arbeiten sie beim "Entwickeln" Ihrer RAW bzw. beim Nachbearbeiten Ihrer JPEG immer mit einem kalibrierten Monitor! Entsprechende Kalibrier-Geräte sind preiswert zu haben (wenn man es mit dem Geld vergleicht, das mancher Amateur bereit ist, für Kamera, Objektive etc. auszugeben!).

Und verlassen Sie sich nicht auf irgendeinen "Standard-Weißabgleich" Ihrer Kamera, sondern machen Sie sich bei Gelegenheit mit dem Konzept der "Farbtemperatur" vertraut - es ist auch für nicht-Physiker durchaus zu verstehen ...

 


 Was gefällt, ist natürlich Geschmackssache! Ich habe bei meinen Foto-Touren die "Schärfe-Fanatiker" getroffen, die am liebsten jeden Einzeltropfen völlig ohne Bewegungsunschärfe einfrieren möchten, und die "Watte-Freaks", bei denen sich offenbar über jedes Stück Fels ein mystisches Gewabere ergießen soll.

Mein ideales Wasserfall-Foto zeigt möglichst gerade den Übergang dieser beiden Extreme - also noch einige vom fließenden Wasser herrührende, markante Strukturen im "Wattebausch". Es lässt sich allerdings schwer vorhersagen, bei welcher Belichtungszeit dieser Effekt am ehesten erreicht wird - bei großen Wassermengen kann eine halbe Sekunde Belichtungszeit schon zu viel sein, bei dünnen Schleierfällen sind 20 Sekunden ggf. noch zu kurz. Variieren Sie also und machen Sie stets mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten!

Anfangs habe ich noch versucht, solche Belichtungsreihen alleine durch Variation der Blende und Empfindlichkeit zu steuern - davon bin ich abgekommen. Inzwischen führe ich ein kleines Sortiment unterschiedlich "dichter" Graufilter mit (ND4 bis ND64), um bei möglichst vielen Aufnahmen im Bereich der "Förderlichen Blende" bleiben zu können, die bei meiner Ausrüstung so bei 8 bis 11 liegt (und bei Ihrer sicher in derselben Größenordnung).

Teilweise wird auch der Einsatz eines Polfilters empfohlen - diesen mochte ich bei Wasserfällen anfangs gar nicht. Sicher kann man mit ihm die Farbsättigung von Blattwerk und Himmel erhöhen - aber beim Motiv "Wasserfall" steht nun mal das Wasser im Mittelpunkt, das glitzert, spritzt und stobt - oder sogar in einem Gumpen (Tosbecken) zu interessanten Spiegelungen führt. Da "verfälscht" ein starker Polarisationseffekt das Motiv für meinen Geschmack zu stark oder nimmt ihm sogar komplett seinen Reiz. Dagegen schätze ich die Möglichkeiten eines „variablen Graufilters“, bei dem man durch gezieltes Einstellen gekreuzter Polarisatoren einzelne Bildpartien so hervorheben kann, dass sie reflektieren oder nicht!

Internetforen und Foto-Portale sind eine sehr gute Möglichkeit, die Ergebnisse anderer Fotografen zu studieren, sich klar zu werden, was einem selbst gefällt - und warum. So können Sie Schritt für Schritt beginnen, sich einen ganz eigenen Stil anzueignen. Das betrifft die Auswahl der Motive, den Standpunkt der Kamera, die Festlegung des Bildausschnitts und viele weitere Details. Dazu gehört z.B. auch die Farbstimmung, ein Thema, das offenbar zahlreichen Fotografen etwas Schwierigkeiten macht, denn starkes Blau im Wasser einer Kaskade wirkt ebenso unnatürlich, wie übersättigtes Grün und Orange in der sie umgebenden Landschaft. Vielleicht „vergessen“ diese Fotografen aber auch nur, den Bildschirm ihres Rechners richtig einzustellen. Hier nutze ich z.B. die regelmäßige Neukalibrierung mit Hilfe eines „Spyders“.

Immer wieder habe ich bei Internet-Recherchen Bilder entdeckt, die ich nur vorbehaltlos bewundern kann (und auf deren Fotografen ich durchaus ziemlich neidisch bin). Doch Vorsicht: Auf manchen Seiten findet sich auch jede Menge Müll - und so führt das Suchwort "Wasserfall“ schnell auch zu absolut zweifelhaften "Kunstwerken" sowie zu zahlreichen völlig lieblos abgelichteten Szenerien (Motto: "Meine Handykamera hat jetzt sogar einen Blitz!").

Im Internet können Sie neben Bildern auch eine nahezu unübersehbare Menge an Beiträgen zum Thema "Wasserfälle fotografieren" finden - glauben Sie aber bitte nicht alles, was da so herumgereicht wird. So ist der Tipp, zur Erhöhung der Schärfe möglichst bis Blende 32 abzublenden, ebenso unsinnig, wie der Hinweis, bevorzugt bei leichtem Regen zu fotografieren, da leicht feuchte Vegetation besonders frische Farben zeigt.  Das mit den frischen Farben stimmt zwar – aber ich würde mich ehrlich gesagt „bedanken“ wenn ich alle 150 Schwarzwald-Wasserfälle, die ich in den letzten beiden Jahren gesehen und abgelichtet habe, bei Regen hätte besuchen sollen …

Schließlich herrscht in der näheren Umgebung von Wasserfällen immer eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, so dass sich das mit den frischen Farben und dem leichten Feuchteglanz auf Blättern und Steinen meist ganz automatisch ergibt.

Ein unangenehmer Nebeneffekt der hohen Luftfeuchtigkeit oder sogar Aerosolbildung rund um einen Wasserfall, kann störender "Niederschlag" auf der Optik sein. Achten Sie daher darauf, dass Objektivlinse und Filter stets "trocken" sind und - falls Sie Schraubfilter verwenden - dass sich zwischen Objektiv und Filter keine Kondensation ausbildet - es sei denn, Sie lieben extreme Weichzeichner-Effekte!

Störende Wassertröpfchen, die man sich ständig einfängt, werden Sie mit einem weichen Tuch abtupfen - nicht wischen! Denn durch die "Balloelektrizität" tritt im Umfeld jedes Wasserfalls ein Phänomen auf, das Sie vielleicht noch vom Einstauben alter Fernsehgeräte her kennen: Statische Elektrizität zieht Fusseln und Flusen „magisch“ an! Wischen verstärkt diesen Effekt nur noch zusätzlich (Ladungstrennung durch Reibung zwischen dem Isolator Glas und dem Tuch), und Sie fangen sich erst Recht störende Fusseln und Flusen auf der Optik ein.

Und dann ist da noch der ständige Luftzug - neben Feuchte und Balloelektrizität ein drittes Charakteristikum des Mikroklimas rund um einen Wasserfall. So ein kühler Luftzug mag zwar für den Fotografen angenehm sein - er kann aber zu störender Bewegungsunschärfe bei einer Langzeitbelichtung führen. Achten Sie also auf schwingende Farmwedel und wippende Äste - und warten Sie gegebenenfalls einen günstigeren Zeitpunkt ab.

Für die Langzeitbelichtungen versteht sich der Einsatz eines stabilen Statives mit sicherem Stand von selbst; und selbstverständlich vermeiden Sie Harakiri-Positionen auf feuchtem Moos oder glitschigem Geröll, wenn Ihnen Ihre Fotoausrüstung etwas wert ist. Und selbstverständlich können Sie Ihr Stativ ebenso sicher bedienen, wie Ihre Kamera - denn nichts ist peinlicher, als der stolze Besitzer einer 4.000-Euro-Vollformatkamera, der mit seinem 29-Euro-Stativ herumeiert, weil er einfach nicht weiß, an welchem Schräubchen er in welche Richtung drehen muss, um seinen Boliden in die Waagerechte zu bringen (falls das billige Stativ ihn überhaupt sicher hält!).

Das Scharfstellen erfolgt bei mir - je nach Situation - mal automatisch, mal manuell (unter Nutzung der Einstellhilfe im Display der Kamera). Auf die Automatik greife ich gerne aus Bequemlichkeit zurück, wenn ich kein dominantes Vordergrundmotiv finden kann oder gestalterisch einsetzen will. Sollen dagegen Steine, Pflanzen oder Ähnliches im Vordergrund betont werden, greife ich auf manuelles Fokussieren nach der „Drittelregel“ zurück. Wem „Hyperfokale Distanz“ etwas sagt, weiß, was ich meine – wer mit dem Begriff und der dahinter steckenden Physik allerdings nicht vertraut ist, sollte dieses Stichwort unbedingt mal „googeln“ – und das Gelernte bei Landschaftsaufnahmen künftig eifrig berücksichtigen! Es ist gar nicht so schwer zu verstehen – und ein wichtiger Schritt hin zu Naturaufnahmen, die von vorne bis hinten möglichst knackig scharf werden sollen. (Hier ein Link zu einem recht gut erklärten Beispiel.)

Beim Belichten stelle ich die niedrigste mögliche Empfindlichkeit ein (bei meiner Kamera ISO 100). Zur Entwicklung der RAW-Negative setze ich einen relativ simplen Workflow in einer entsprechenden Standard-Software ein. Keine Angst - das ist ein Thema für sich, das ich hier nicht weiter vertiefen will! So habe ich z.B. einen unübersehbaren Hang, ein klein wenig „HDR-Feeling“ in meinen Bildern aufscheinen zu lassen – das muss nicht jedem Betrachter gefallen und das würden andere Fotografen durchaus anders handhaben. Aber ich mag es eben so!

Generell muss jedoch gesagt werden: Aus schlechten Aufnahmen macht auch die beste Software keine guten Bilder. Und wer Fotos schön findet, bei denen ohne Nachdenken einfach nur der "Klarheit"-Regler bis zum rechten Anschlag aufgezogen wurde, ist selbst schuld!

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